Montag, 31. März 2014

Zwischen Studium und Studio: Interview mit Miss Cloé Savage


Wer sich sein Studium finanzieren will, muss sich häufig bei Gelegenheitsjobs von einem Chef herumkommandieren lassen. Besser, man ist selbst der Chef und kommandiert andere herum. Zum Beispiel als Domina in einem Studio. Diesen cleveren Weg hat Miss Cloé Savage gewählt. Eigentlich naheliegend, wenn man seit vielen Jahren in SM-Clubs verkehrt. 

"Jungdomina" ist der Titel, den sie im exklusiven Studio "Casa Casal" in Düsseldorf trägt. Darüber hinaus ist sie Model. Aus Spaß an Gothik und Fetisch-Kleidung. Und sicher auch, weil sie eben aussieht, wie sie aussieht. Umwerfend. Ein Gespräch über das Leben zwischen Studium und Studio, komische Schreie aus dem WG-Zimmer und herzlose Roboterschlagarme.


Lady Sas: Liebe Chloe, Du bist im Studio Casa Casal in Essen als Domina tätig. Wie kam es dazu? Beschreibe uns bitte kurz Deinen Werdegang.

Miss Cloé Savage: Mein Interesse am SM habe ich schon recht früh entdeckt. Erst wusste ich aber die seltsamen Sehnsüchte nicht zu benennen bis ich etwa mit 13 einen Artikel in der Cosmopolitan über den exotischen Beruf Domina entdeckt habe. Es hat mich so fasziniert, dass ich sofort wusste, ich möchte ihn irgendwann mal praktizieren. Dazu beigetragen hat auch der Fakt, dass die Ex meines damaligen Freundes als Domina tätig war und ich sie ein wenig ausfragen konnte. Ich werde es nie vergessen, wie sie zu mir meinte, ich hätte eine zu romantische Vorstellung von diesem Job. Später hat es sich definitiv bewahrheitet und ich wurde manch einer Illusion beraubt. Erst habe ich aber angefangen, diverse Trefforte von SMlern aufzusuchen: Clubs, Stammtische, Parties. Da habe ich auch meinen ersten Spielpartner kennengelernt, mit dem ich die Dinge ausprobieren konnte, die mir schon lange vorgeschwebt sind. Schließlich bin ich auf einer dieser Veranstaltungen meiner jetzigen Chefin begegnet. Sie hat mich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und ein paar Wochen später gehörte ich zum Team.

Lady Sas: Du studierst noch. Bist Du schon mal von einem Kommilitonen auf Deine interessante Nebentätigkeit angesprochen worden? Wie hast Du reagiert bzw. wie würdest Du reagieren?
Miss Cloé Savage: Indirekt. Als ich noch neu in der Szene war, habe ich Wert auf Erkennungszeichen gelegt. Es war wahrscheinlich der Ausdruck meines Wunsches, offiziell dazu zu gehören. Daher habe ich den so genannten Ring der O getragen, auf der linken Hand versteht sich. Solche Codes zeigen ja, welche Neigungen man hat und denen wollte ich unmissverständlich kund tun. Und eines Tages hat mich eine Kommilitonin aus dem höheren Semester darauf angesprochen, ob dieser  Ring bloß ein Schmuckstück für mich darstellt oder ob sich noch eine weitere Bedeutung dahinter verbirgt. In dem Moment war mir klar, dass sie Bescheid wissen muss. Es machte mir aber nichts aus und ich habe ehrlich geantwortet, dass ich eine SMlerin bin. Was ist schon dabei, wenn beide Menschen im selben Bot sitzen? Sie hat nur wissend gelächelt und für mich hat es sich so angefühlt, als ob ich ein Mitglied eines geheimen Bundes wäre, so eine Art perverse Freimauerer.  Meine Mitbewohnerinnen in der WG wussten natürlich auch Bescheid, weil  ich damit sehr offen umgegangen bin. Ich fand es besser, als auf die Frage zu warten, was für komische Schreie gelegentlich aus meinem Zimmer ertönen. Außerdem bin ich auch eine Grufti, wie man es charmant im Deutschen nennt, und kleide mich oft dementsprechend, also erwarten die Leute in meiner Umgebung, dass ich zwangsläufig anders bin.

Lady Sas: Wie muss man sich das vorstellen, wenn man als junge Frau in einem Dominastudio anfängt? Gibt es da Übungsstunden? Ein Training?
Miss Cloé Savage: Wie schon erwähnt, habe ich die ersten Erfahrungen auf diesem Gebiet in meinem privaten Umfeld gesammelt. Ich war also keine Jungfrau mehr. Allerdings würden diese nie für die professionelle Ausübung  dieses Berufs reichen. Also durfte ich den Sessions meiner erfahreneren Kolleginnen beiwohnen. Außerdem wurde mir die Funktionsweise diverser Gerätschaften erklärt, ich wurde in einige Praktiken, mit denen ich zuvor nicht zu tun hatte, eingeweiht. Aber man entwickelt sich ständig. Es gibt natürlich Praktiken, die ich immer noch nicht beherrsche, aber ich lerne gerne dazu.

Lady Sas: Was reizt Dich am SM-Spiel?
Miss Cloé Savage: An erster Stelle kommen auf jeden Fall die Emotionen. Es ist berauschend zu sehen, dass man in dem Gegenüber Angst, Begierde, Verzweiflung, Hoffnung erzeugen kann. Es ist wunderbar zu beobachten, wenn die Session nach all dem Gefühlschaos in einer Art Katharsis endet. Und während des Spiels kann man sich in eine andere Person verwandeln: aufwendig gestylt, in Latex oder Leder gehüllt. Darüber hinaus ist das ganze Leben ein bisschen SM, mit verteilten Rollen, bestimmten Ritualen und dem Spiel mit Macht und Ohnmacht. Nur beim sexuell ausgeübten SM kann man die richtige Seite selbst wählen. Es ist doch schön!

Lady Sas: Was macht eine besonders gelungene Session für Dich aus?
Miss Cloé Savage: Nach einer gelungenen Session verspüren alle Beteiligen ein Glücksgefühl, die Zufriedenheit, dass alles so gelaufen ist, wie man es sich vorgestellt hat. Aber damit es zustande kommen kann, sollten die Fantasien des aktiven und des passiven Parts sehr gut zusammenpassen, die berühmte Chemie sollte stimmen. Es ist schön, wenn die Wünsche sich umsetzen lassen und trotzdem eine Prise Spontanität, ein Überraschungseffekt dazu kommt. Abwechselnde Ernsthaftigkeit und Humor, Spannung, Aufregung. Und nicht zuletzt hilft es, wenn die Menschen auch intellektuell auf derselben Wellenlänge sind. Korsetts und High Hells gilt meine Leidenschaft. Aber da bin ich als Frau sicherlich nicht alleine. Etwas exotischer ist da sicherlich Latex, obwohl auch dieser Stoff aus dem Fetischbereich immer salonfähiger wird und sogar auf dem roten Teppich auch nicht mehr so schockierend wirkt. Ich stehe allgemein auf auffällige und außergewöhnliche Designs, unbequem gibt es dann nicht, nur nicht extravagant und krass genug. Ein anderer Fetisch sind die Schlaginstrumente, also Peitschen, Singletails und ähnliches. Ich bin nämlich viel mehr sadistisch als dominant, ich finde es äußerst ansprechend zu sehen, wie die Haut unter der Einwirkung dieser Gegenstände ihre Struktur verändert.

Lady Sas: Gibt es auch Gäste, die nicht zum Orgasmus kommen wollen? Und wenn ja: Warum ist das wohl so?
Miss Cloé Savage: Ja, solche Gäste gibt es auch, zwar nicht allzu oft, aber gelegentlich sagen die Männer schon beim Vorgespräch, dass sie am Ende keine Hohepunkt erleben wollen, zumindest keinen sichtbaren körperlichen. Ihr Orgasmus findet dann im Kopf statt. Zum größten Teil sind es die Flagellanten aus der extremeren Fraktion. Leider habe ich noch nie jemanden im echten Sub-Space erlebt, aber es scheint ein Äquivalent zum Orgasmus zu sein.  Manchmal gibt es einen anderen Grund für die Enthaltung:  In solchen Fällen dient SM zur Verarbeitung anderer Erfahrungen und dann steht das Sexuelle nicht im Mittelpunkt.

Lady Sas: Was inspiriert Dich? Wie kommst Du auf neue Ideen für Sessions?
Miss Cloé Savage: In erster Linie sind es die Gäste, die mit ihren Fantasien an mich heran treten und diese verwirklicht haben möchten. Aber auch Bücher wie Yukio Mishimas „Geständnis einer Maske“ und Filme wie „Bitter Moon“ oder „Tokyo Decadence“ sind eine unerschöpfliche Inspirationsquelle. Mancher Stoff bleibt allerdings nur als Kopfkino bestehen und es ist auch besser so. De Sades Ausführungen, die in „Salo“ auf die Leinwand projiziert wurden, sind in den meisten Fällen mit dem verantwortungsbewussten SM nach dem SSC (safe, sane, consensual) Prinzip nicht zu vereinbaren genauso wenig wie Apollinaires „11 000 Ruten“. Interessant finde ich, dass es auf der einen Seite sehr viele verschiedene Fantasien gibt, mit denen die Männer ein SM-Studio aufsuchen, doch auf der anderen Seite wiederholen sich die Szenarien oder Wünsche immer wieder. Wirklich ausgefallene Vorstellungen sind eher selten.

Lady Sas: Welches SM-Gerät, das es so noch nicht gibt, müsste unbedingt erfunden werden?
Miss Cloé Savage: Da denke ich an einen Roboterarm, der mit Gerten, Peitschen und anderen Schlaginstrumenten umgehen könnte. Dann müsste die Herrin die eigene Hand nicht mehr belasten und könnte gemütlich dem Opfer während dessen in die Augen schauen. Manche Männer stehen gerade darauf, von Maschinen misshandelt zu werden, weil diese nun wirklich buchstäblich herzlos sind, auf ihr Flehen nicht hören und nie müde werden, sondern erst dann aufhören, wenn die Batterie leer ist. Nein, im Ernst, manchmal bekomme ich das Gefühl, dass alles, was im sexuellen Bereich denkbar ist, schon erfunden wurde und irgendwo auf dem Markt existiert. Da fallen mir solche Dinge wie ein Atemkontrollgerät oder die so genannte Venus. Bei den eigenen Sessions merke ich, dass mir eine Vorrichtung fehlt, in der  ein Mensch schnell, unkompliziert, bequem, unfall- und zugleich fluchtsicher und – ganz wichtig – von allen Seiten bespielbar  befestigt werden könnte. So eine Art Papageienschaukel light.

Lady Sas: Weißt Du schon, ob Du der Szene als Herrin erhalten bleiben willst – oder wirst Du Dich nach Deinem Studium davon zurückziehen?
Miss Cloé Savage: Sicherlich wird meine Veranlagung nicht dadurch beeinflusst, ob ich einen Uni-Abschluss  in der Tasche habe oder nicht, also werde ich meine SM-Neigung weiterhin ausleben wollen. Ob ich es dann in einem Studio machen werde oder nur noch privat, das weiß ich noch nicht. Ein gut ausgerüstetes Studio bietet natürlich sehr viele Spielmöglichkeiten, die man sich zu Hause nicht leisten kann, sowohl finanziell als auch platztechnisch.


Lady Sas: Danke für dieses Gespräch und weiterhin viel Spaß!

Weitere Infos und Bilder (oh ja, ich weiß, was Sklaven interessiert...) gibt es auf der Website des Studios "Casa Casal".

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