Donnerstag, 22. Oktober 2015

Domina Lady Mephista: eine fesselnde Persönlichkeit

Domina Lady Mephista, Berlin
Sie ist jung, schön und gertenschlank. Domina Lady Mephista aus Berlin zwingt aber nicht nur durch äußerliche Attribute in die Knie, sondern auch durch ihren Geist und Intellekt. So ist es durchaus selten, dass ich in einem Interview mit Überlegungen zu Goethes Faust konfrontiert werde. Die Bondageexpertin (Shibari) ist eine fesselnde Persönlichkeit, die auch in der Klassischen Erziehung, in der Klinik und bei Latex/Gummi zuhause ist. 


Lady Sas: Liebe Lady Mephista, wie es gute Tradition, frage ich Dich zunächst nach Deinem Werdegang. Wie kam es dazu, dass Du als Domina tätig bist?

Domina Lady Mephista: Mein Interesse für BDSM entdeckte ich über die Bilder von Nobuyoshi Araki. In meiner Schulzeit ging ich oft in einen Zeitschriftenladen der direkt auf dem Weg zur Schule lag. Eines Tages fand ich dort in der Auslage einen Bildband von Araki - es war eine Offenbarung. Allein die Bilder gefesselter Körper anzusehen war erregend, doch wie musste es erst sein, selbst Hand anzulegen, Menschen zu fesseln und wehrlos zu machen!
Als ich vor ein paar Jahren nach Berlin kam, suchte ich nach Orten um Shibari zu lernen und wurde glücklicherweise fündig. Der Austausch mit anderen Riggern war sehr inspirierend, doch anders als bei den meisten war für mich Bondage immer weniger Selbstzweck. Vielmehr wollte ich die Wehrlosigkeit meines gefesselten Gegenübers nutzen, um ganz andere Dinge auszuprobieren. Es begann mit einfachen Mitteln: Hände, Klammern, Schlaginstrumente. Als ich begann über weitere Formen der Restriktion und Stromspiele nachzudenken, war für mich der Zeitpunkt gekommen, in ein Studio zu gehen.



Lady Sas: Bei Mephista denke ich an Mephisto aus Goethes Faust. Ist diese Assoziation beabsichtigt? Was hat es mit dem Namen auf sich?
Domina Lady Mephista: Es stimmt, diese Assoziation ist tatsächlich beabsichtigt. Im Mittelpunkt des Namens steht aber nicht so sehr meine Verbundenheit mit Goethe, es ist vielmehr der libertäre Geist, den Mephistopheles im Faust vertritt. Um die Weltenordung aufrecht zu erhalten, verbannt Goethe den Freigeist, der sich abseits der Normen bewegt in die Schattenwelt, er wird zum Gegenbild von Gott gemacht und damit zu etwas bösem. Jeder kennt noch aus der Schule das naive Gretchen und die mit der Figur berühmt gewordene Gretchenfrage. Als ich das erste mal “Justine oder vom Missgeschick der Tugend” des Marquis de Sade las, musste ich sofort an Gretchen denken. Anders als Goethe schenkt de Sade seiner Tugendhaften Figur keine Erlösung, er kontrastiert sie vielmehr mit ihrer Schwester Juliette, die durch ihr unmoralisches Verhalten glücklich wird. Natürlich sind nicht alle Moralvorstellungen der Gesellschaft falsch, doch gerade in puncto Sexualmoral herrscht noch eine erstaunliche Prüderie vor, über die auch der seichte Plüschsadomasochismus einschlägiger Bestsellertitel nicht hinwegtäuschen kann.



Lady Mephista: "Ich liebe es, Dinge selbst zu gestalten und zu formen, da sind meine Sklaven keine Ausnahme."



Lady Mephista

Lady Sas: Was reizt Dich daran, einen Sklaven zu erziehen?
Domina Lady Mephista: Ich liebe es, Dinge selbst zu gestalten und zu formen, da sind meine Sklaven keine Ausnahme. Der Reiz ist umso größer, wenn der Sub wirklich bereit ist, diese Formung zuzulassen und sich nach und nach meinen Vorstellungen zu fügen. Jeder Mensch ist anders, und so stoße ich auch bei der Sklavenerziehung je nach Gegenüber auf unterschiedliche Facetten die ich reizvoll finde.


Lady Sas: Hast Du schon mal einen Studio-Gast im Alltag erkannt? Wie reagiert man da?
Domina Lady Mephista: Das habe ich bisher noch nicht erlebt. Sollte es jedoch eines Tages passieren, werde ich in jedem Fall Diskretion wahren, ich will ja niemanden in eine unangenehme Situation bringen.


Lady Mephista (2017)

Lady Sas: Ich beobachte immer wieder den Wunsch meines Subs nach einer ständigen Steigerung. Es muss immer intensiver werden. Jeder Kick soll den nächsten noch in den Schatten stellen. Beobachtest Du auch solche Tendenzen? Und wenn ja: Wie gehst Du damit um?
Domina Lady Mephista: Meine bisherige Erfahrung ist, dass sich das Bedürfnis nach einer Steigerung umso mehr entwickelt, je vertrauter man sich wird. Insofern muss eine Steigerung zunächst nichts Schlechtes bedeuten. Und um ehrlich zu sein, freue ich mich bei den meisten sogar, wenn sie etwas mehr zulassen; ein intensives Spiel ist auch mir wichtig: Der Ekstase beizuwohnen, wenn der Schmerz zum Rausch wird, gleicht einem Spektakel, bei dem ich Regie führe. Damit befriedigt dieser Akt zugleich meinen Gestaltungswillen und meinen Voyeurismus. Solche Grenzgänge können verschlossene Türen öffnen und sind für beide Seiten befreiend. Anders ist es, wenn ich merke, dass die Bedürfnisse des Subs eindeutig einen destruktiven Charakter haben. Der Körper und Geist desjenigen, mit dem ich spiele, darf ruhig gefordert werden, wenn ich jedoch merke dass jemand bei mir ausschließlich seine Autoaggressivität ausleben möchte und seine geistige und körperliche Gesundheit nicht wertschätzt, ist für mich eindeutig eine rote Linie überschritten.

Lady Sas: Jeder Gast ist anders. Aber gibt es Wünsche, die Gäste besonders häufig äußern?
Domina Lady Mephista: Bei den meisten meiner Gäste ist Restriktion ein ganz wesentliches Element. Das liegt natürlich ein meiner eigenen Profilierung - ich bin ja über Bondage zum BDSM gekommen und damit sind jegliche Formen von Einschränkung; von Predicament, über Fixierung einzelner Körperteile bis hin zu völliger Bewegungsunfähigkeit für mich ein ganz wesentliches Element meines Spiels.


Lady Mephista (2017)

Lady Sas: Hast Du schon mal das Gefühl gehabt, dass Du einen Sklaven vor sich selbst schützen musst? Im Sinne von: Also, jetzt mal langsam, das kannst du nicht ernsthaft wollen.
Domina Lady Mephista: Bei denjenigen, die man vor sich selbst schützen muss gibt es zwei Kategorien: Diejenigen die einfach nicht wissen was sie tun. Sie haben beispielsweise einen besonders krassen Film gesehen, und wollen das jetzt auch erleben; dabei haben sie keine Ahnung was das konkret für sie bedeutet. Viele, die in diese Kategorie gehören geben an, sehr erfahren zu sein. Zum Glück kann man sie anhand weniger Fragen schnell entlarven. Diese Kategorie ist harmlos, da sie nach etwas Aufklärungsarbeit meist von ihrer ursprünglichen Idee abkommen und etwas Machbares erleben wollen. Die zweite Kategorie habe ich schon erwähnt: Es sind die Autoaggressiven die ohne Rücksicht auf ihre geistige und körperliche Gesundheit Spiele erleben wollen, die einen fast ausschließlich destruktiven Charakter haben. Solche Spiele lehne ich rundweg ab.



Lady Mephista: "Der Ekstase beizuwohnen, wenn der Schmerz zum Rausch wird, gleicht einem Spektakel, bei dem ich Regie führe."

Lady Mephista (2017)


Lady Sas: Nackte Tatsachen sind nichts besonderes mehr. Man sieht sie in Zeitschriften und im Internet. Ist BDSM der Wunsch, in der Erotik wieder verbotene Wege gehen zu wollen?
Domina Lady Mephista: Auch die Darstellung von BDSM wird immer alltäglicher. Doch viele, die sich danach sehnen, schaffen es nur selten, Partner zu finden, die ihr Interesse teilen. Über sexuelle Fantasien zu reden, ist noch immer ein Tabu. Vielleicht geht es also tatsächlich um den Reiz den Verbotenen. Für diejenigen, die zu einer klassischen Domina gehen, gibt es aber auch einen anderen Aspekt. Sie haben ja die freie Wahl, sie könnten auch zu Frauen gehen, die ihren nackten Körper anbieten. Doch die Kleidung, die ich als Domina trage, ist keine schamhafte Verhüllung, sie dient nicht dem Verbergen, ist also nichts Defizitäres. Vielmehr wird der Körper durch seine äußere Hülle zum Heiligtum. Die Kleidung ist genauso ein Instrument wie die Peitsche oder der Pranger, sie betont den Körper indem sie ihn umschließt und unzugänglich macht. Die Hierarchien zwischen Sklave und Herrin sind unmittelbar erkennbar, da die Kleidung, die auch Schmuck ist, der Repräsentation dient.



Lady Sas: Gibt es eine Session, die Dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Domina Lady Mephista: Eine einzelne Session hervorzuheben ist gar nicht so einfach, weil mir aus vielen Spielen vor allem bestimmte Momente in Erinnerung geblieben sind. Besonders eindrücklich war vielleicht das Erlebnis mit einem Gast, der noch keinerlei Vorerfahrung hatte. In der Regel dauert es seine Zeit, bis ein Sub zu sich selbst gefunden hat und insofern werden die Spiele erst mit der Zeit richtig interessant. In diesem Fall jedoch traf ich einen jungen Mann der offensichtlich etwas in sich hatte, von dem er bisher nichts geahnt hatte. Er war erstaunlich belastbar und wir fanden sofort eine Ebene in der es keine Worte mehr benötigte. Solche Spiele sind für mich sehr wertvoll.


Schön und schön streng: Lady Mephista

Lady Sas: Wenn Du Dir ein SM-Gerät wünschen dürftest, das es noch nicht gibt, welches wäre das wohl?
Domina Lady Mephista: Ach, da gibt es so vieles! Ich habe ein Faible für Mensch-Maschineschnittstellen. Ich denke da wird in den nächsten Jahren noch einiges auf uns zukommen. Ein fernsteuerbarer Exoskelet für meine Sklaven wäre ein toller Einstieg. Das geht weit über die Kontrolle eines Remote-Stromgeräts hinaus, denn de facto kann ein Sklave, der ein solches Exoskelet trägt nur noch die Bewegungen ausführen, die sich ihn ausführen lasse, mit dem Exoskelet wird also auch er Ferngesteuert. Man könnte ihn sogar dazu bringen sich selbst auszupeitschen, herrlich!

Lady Sas: Na, das wäre mal was! Danke für das Interview.

Mehr über Lady Mephista findest Du hier.

Update vom 26. November 2015: Lady Mephista hat wunderbare neue Fotos anfertigen lassen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte (Fotograf: Nikitzo). 

Update vom 6. Juni 2017: Lady Mephista hat mir neue Bilder geschickt, die ich gerne veröffentliche. Die neuen Fotos von Lady Mephista sind mit der Bildunterschrift "2017" gekennzeichnet.

Lady Mephista (2017)


Sonntag, 18. Oktober 2015

Bondage – warum es Sadomaso so aufregend macht

Bondage heißt, den Sklaven oder die Sklavin so zu fixieren, dass er/sie sich nicht mehr wehren kann. Zum Beispiel, indem man den Sub am Flaschenzug aufhängt und ihm eine Spreizstange an den Füßen anbringt. Für den SM-Hausgebrauch tut es aber sicher auch einfach ein Seil, mit dem man den Sklaven über den Küchentisch fixiert ;-) Der Bondage-Klassiker: Mit den Handschellen an Bett fesseln. Naja, das ist wirklich etwas 0815. In einer ernsthaften SM-Session tragen Sklaven Hand- und Fußschellen, an denen man sie bequem festmachen kann. Das ist wunderbar praktisch und eröffnet der Femdom-Phantasie ein gigantisches Spielfeld. 
Gehören einfach dazu: Hand- und Fußschellen fürs Bondage


Bondage ist aus vielerlei Gründen großartig und nützlich beim SM. Klar: Wer gefesselt ist, kann sich nicht wehren. Der Sub ist dazu verdonnert, passiv und hilflos mitanzusehen, was die Herrin sich für ihn einfallen lässt. Männer sind im traditionellen Rollenbild zwischen Mann und Frau die Aktiven. Es ist schön für sie, nun auf der passiven Seite zu sein. Das gefällt ihnen, weil es ihnen den Druck nimmt, ein tolles sexuelles Szenario aufbauen zu müssen. Als Sklaven können die Männer sich fallen lassen. Sie müssen gar nichts tun, sie müssen nur gehorchen. Es ist großartig für Männer, wenn sie diese ganze Last an die Herrin abgeben können. Nicht mehr denken, nur noch fühlen. Männer kennen das nicht und genießen es umso mehr als Sklave, nicht mehr Herr des Geschehens sein zu müssen.


Bondage beim SM: verstärkt den Rollentausch zwischen Mann und Frau

Frauen sind als Femdom gefordert, aktiv zu sein. Der Sklave kann nicht bestimmen, wo es lang geht, das muss die Herrin übernehmen. Hier zeigt sich, wer wirklich eine Veranlagung hat, dominant zu sein und wer nicht. Aus einem kleinen Mäuschen wird nun mal schwer eine selbstbewussste Herrin, die stolz Befehle gibt und den Mann herumkommandiert. 

Die klare Rollenverteilung zwischen Herrin und Sklaven wird durch das Element des Bondage noch einmal deutlich zugespitzt. Der Gefesselte bleibt passiv und muss hilflos erdulden, was der Aktive sich einfallen lässt. Da Männer Frauen rein körperlich überlegen sind, wird dieser Punkt durch das Bondage ebenfalls ausgehebelt. Der Mann ist der Frau ausgeliefert. Das "schwache" Geschlecht findet sich nun in der Rolle des Überlegenen und Stärkeren. Klar, dass Frau sich bei so einer komfortablen Ausgangsbasis nun mehr traut und sich viel erlauben kann. Zurückschlagen wird der Gefesselte ja wohl kaum.


Bondage: der ultimative Vertrauensbeweis beim SM


Wer sich fesseln lässt, beweist dadurch Vertrauen zu seiner Herrin. Der Sklave liefert sich aus, gibt sich ganz in die Hände der Domina/Herrin. Das ist auch für die Lady ein schönes Gefühl, das man natürlich nicht missbrauchen darf, sonst ist es bald aus mit den SM-Spielen. 

Für die Fortgeschrittenen Sklaven, die es lieben, der Herrin hilflos und komplett ausgeliefert zu sein, gibt es zahlreiche Steigerungen. Sie werden nicht einfach gefesselt, sie werden in extremen Stellungen fixiert (Extrem Bondage). Nächste Steigerung: Während sie in extremer Bondage schmoren, werden sie bespielt. Zum Beispiel mit einem Dildo oder Kerzenwachs. Oh, pikant, pikant! Es gibt so viele schöne Möglichkeiten, einem gefesselten Sklaven Reaktionen zu entlocken...

Kurzum: Bondage ist ein zentrales Element beim Sadomaso-Spiel und wer es noch nicht für seinen SM entdeckt hat, der sollte sich mal darauf einlassen. Ich hoffe, ich habe dich, liebe Leserin, lieben Leser, mit meinen Gedanken etwas fesseln können. Hinterlasse gerne nach diesem Artikel deine persönliche Meinung zum Thema Bondage und SM. Ich bin gespannt, was du denkst. 

Lady Sas 

PS: Ich freue mich weiterhin über Vorschläge zu Femdoms, die ich auf meinem SM-Blog interviewen soll. Und: Ich freue mich über Reaktionen auf meine neue Kopfkino-Buchserie auf amazon (siehe letzter Blog-Post).

Mittwoch, 14. Oktober 2015

BDSM Literatur: Es geht weiter.

In letzter Zeit sind bei amazon einige sehr positive Bewertungen meiner Bücher hinzugekommen. Das freut mich wirklich sehr. Es motiviert mich, nun das nächste FemDom-SM-Buch in Angriff zu nehmen. Es wird das intensive, aber etwas kurze Zusammenspiel mit Miss J. beschreiben. Es geht also weiter. Ich hoffe, das freut den einen oder anderen ;-) An Themen mangelt es nicht, es ist in der Zwischenzeit viel passiert. So viel, dass ich locker drei oder gar vier SM-Bücher darüber schreiben könnte. Die BDSM Literatur von Lady Sas wird Euch also weiterhin erhalten bleiben. Für mich ist es recht einfach: Ich muss mir ja nichts überlegen, ich muss nur meine Erlebnisse aufschreiben. Frauen haben ein ziemlich gutes Gedächtnis, wenn es um solche pikanten Dinge geht ;-)


BDSM-Literatur: neues Kopfkino-Projekt.


Noch immer erhalte ich regelmäßig Bewerbungen von Sklaven. Das ist schmeichelhaft. Ich habe aber weder Lust noch Zeit, den ganzen Tag meine dominante Seite auszuleben. Dafür habe ich mir die Wochenenden reserviert und die sind schon von Sklave Toytoy belegt. Aus diesem Grund habe ich ein sehr interessantes Kopfkino-Literatur-Projekt gestartet. Der Leser wird in die Rolle des Sklaven versetzt, der von mir erzogen wird. Gerade habe ich den zweiten Teil der Serie fertig gestellt. Er wird in Kürze wie gewohnt auf amazon erscheinen. (Update: Es ist inzwischen erschienen. Hier der link.)

Normalerweise bin ich mit neuen Sklaven vorsichtig und gehe behutsam vor. Bei Teil zwei musste ich allerdings deutlich heftiger zur Sache gehen, sonst wäre es zu langweilig geworden. Ich denke, das ist in Ordnung. Schließlich ist im Kopfkino viel mehr möglich. Und langweilen soll sich schließlich auch niemand!

Ich freue mich, Euch schon bald das nächste Femdom-Buch vorstellen zu können. 

Strenge Grüße, 
Lady Sas