Mittwoch, 6. Dezember 2017

Prostitutionsschutzgesetz: Warum es viele schlecht finden

Seit dem 1. Juli 2017 ist das neue Prostitutionsschutzgesetz in Kraft. Das Bundesfamilienministerium will damit die sexuelle Selbstbestimmung von Sex-Arbeiterinnen stärken und sie vor Zwangsprostitution und Ausbeutung schützen. Doch Wunsch und Wirklichkeit liegen offenbar weit auseinander. Der Verein Doña Carmen, der sich für die Rechte von Prostituierten einsetzt, hat eine Verfassungsbeschwerde gegen das neue Prostitutionsschutzgesetz eingereicht. Denn, so kritisiert Doña Carmen, Sex-Arbeiterinnen würden dadurch „einem System entwürdigender Kontrollen unterworfen“ und ihrer „Grundrechte beraubt“.

Professionelle Dominas haben zwar überwiegend keinen Verkehr mit ihren Kunden (von manchen Bizarr-Ladies abgesehen), aber auch sie bekommen die Auswirkungen des neue Prostitutionsschutzgesetzes zu spüren. So berichtete zum Beispiel erst vor Kurzem Herrin Daemona de Lucca auf meinem Blog, dass sie sich aus der Branche wegen dem Gesetz zurückziehen werde: 
"Durch die neue Gesetzesänderung wurde mir immer klarer, dass es für mich keine Zukunft mehr im professionellen SM Bereich geben wird. Ich bin lange mit mir in medias res gegangen. Nach einigen Abwägungen des fürs und widers, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass die Einschneidungen einiger Grundrechte erheblich sind und ich diesen steuerlichen Irrsinn nicht mitfinanzieren möchte. Insofern kann ich weder moralisch noch politisch dahinterstehen und würde mich somit verkaufen."

Daemona de Lucca ist nicht die einzige. Auch andere Damen ziehen sich zurück. Zum Beispiel Johanna, die als Bizarr-Escort (jO) auf der passiven Seite unterwegs war. Ich habe ihr einige Fragen zum neuen Prostitutionsschutzgesetz und zu ihrer Entscheidung aufzuhören gestellt.
   

Was bedeutet das neue Prostitutionsschutzgesetz?


Lady Sas: Liebe Johanna, was hätte das neue Prostitutionsschutzgesetz für Dich konkret bedeutet, wenn Du weitergemacht hättest?
Johanna: Das Gesetz hätte für mich bedeutet, dass ich mir bei den Berliner Behörden eine sogenannte "Anmeldebescheinigung" holen muss. Auf gut Deutsch: einen Hurenpass, in dem jede Menge sensible Daten stehen: Vor- und Nachname, Geburtsdatum und Geburtsort, Staatsangehörigkeit, die gültige Meldeanschrift, die angemeldeten Tätigkeitsorte, wo man als Hure arbeitet, den Gültigkeitszeitraum des Ausweises und die ausstellende Behörde. Außerdem wird ein Foto der Inhaberin abgebildet. Diesen Hurenpass hätte ich bei meiner Tätigkeit immer mit dabeihaben und bei Kontrollen vorzeigen müssen. Außerdem hätte ich regelmäßig Beratungsgespräche vereinbaren müssen. Was mit meinen Daten passiert wäre, wie sie gespeichert worden wären und wer Zugang dazu gehabt hätte, das weiß ich nicht. 

Johanna, als sie noch aktiv war
Lady Sas: Was passiert, wenn man von der Polizei ohne so eine Bescheinigung erwischt wird?
Johanna: Dann droht ein Bußgeld. Und das muss dann zusätzlich erwirtschaftet werden.

Lady Sas: Der Ausländeranteil im Gewerbe ist hoch. Was machen Ausländerinnen, die nicht in Deutschland gemeldet sind? Wie kommen die an so eine "Anmeldebescheinigung"?
Johanna: Tja, gute Frage. In der Praxis wird es wohl leider oft so sein, dass die Frauen, die keine Meldeadresse haben, sich keine Bescheinigung holen und aus Angst vor Kontrollen in Nebenstraßen ausweichen und illegal arbeiten. Das Gesetz bewirkt also genau das Gegenteil von dem, was es bewirken sollte. Frauen werden nicht geschützt, sondern in die Illegalität gedrängt. Wenn man das mal einen Schritt weiterdenkt, wird eine illegal arbeitende Frau bei Überfällen und Misshandlungen wohl kaum zur Polizei gehen, denn sie kann sich ja nicht ausweisen und würde noch mehr Probleme bekommen. 

Prostitutionsschutzgesetz: Wer hat's gemacht?


Lady Sas: Wem machst Du konkret einen Vorwurf?
Johanna: Mit Vorwürfen verbessert man nichts, aber festzuhalten ist, dass das neue Prostitutionsschutzgesetz von der ehemaligen Frauen- und Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) auf den Weg gebracht worden ist. Die große Koalition aus CDU/CSU und SPD hat es im Oktober 2016 im Bundestag verabschiedet.

Lady Sas: Gibt es auch etwas Gutes an dem neuen Prostitutionsschutzgesetz?
Johanna: Das Gesetz ist vielleicht gut gemeint, aber es ist leider schlecht gemacht. Es geht vollkommen an der Realität vorbei. Positiv daran ist die Kondompflicht. Ein Freier, der auf ungeschützten Sex besteht, muss jetzt mit einem Bußgeld rechnen. So etwas gab es in Bayern bereits, das finde ich sinnvoll. Außerdem sollen Bordellbetreiber noch intensiver überprüft werden. Sie müssen ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und dürfen in den letzten Jahren nicht verurteilt worden sein, wenn sie eine Erlaubnis für ihr Etablissement erhalten wollen. Das klingt für mich ebenfalls sinnvoll.


Johanna
Lady Sas: Welcher Weg wäre den besser gewesen?
Johanna: Man hätte bei den Sexarbeiterinnen nicht auf Zwang und Kontrollen setzen sollen, sondern auf freiwillige Beratungsangebote.

Lady Sas: Durch die Pflichtberatungen sollen Sexarbeiterinnen vor Zwangsprostitution und Menschenhandel sowie ausbeuterischen und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen geschützt werden, so die Idee. Glaubst Du, dass das funktioniert?
Johanna: Leider glaube ich das nicht. Man braucht Vertrauen, um über Zwang und schlechte Arbeitsbedingungen sprechen zu können. Ich bezweifle, dass sich Frauen für solche Fragen öffnen, wenn sie bei der Behörde sitzen, Angst haben, sich als Huren outen müssen, ihre Anonymität preisgeben müssen und eigentlich nur noch an eines denken: schnell weg hier. Nein, ich glaube, die illegale Prostitution wird durch das Gesetz leider wachsen. 

Sind die Kommunen vorbereitet?


Lady Sas: Das Gesetz konkret umsetzen sollen die Kommunen. Aber sind die überhaupt vorbereitet? Wie ist Dein Eindruck?
Johanna: Ich kann das nur für Berlin beantworten. Zurzeit ist es nach meinem Wissensstand so, dass Berlin den Sexarbeiterinnen noch keine Anmeldebescheinigungen ausstellen kann. Deshalb braucht man im Moment eine Bescheinigung darüber, dass man sich anmelden wollte, es aber nicht ging. 

Für uns Steuerzahler ist das Ganze ziemlich ärgerlich. Schließlich bedeutet das Gesetz auch, dass Personal eingestellt werden muss, um die neuen Aufgaben zu bewältigen. Von den Dolmetschern für die vielen ausländischen Sexarbeiter ganz zu schweigen. Bürokratie und Kosten nehmen also weiter zu und der Verwaltungsapparat wird weiter aufgebläht. Klingt für mich nicht gerade nach einer Erfolgsgeschichte.
Johannas Buchreihen 


Lady Sas: Wie geht es bei Dir jetzt weiter?
Johanna: Als das neue Prostitutionsschutzgesetz in Kraft getreten ist, bin ich  ausgestiegen. Jetzt konzentriere ich mich auf meinen regulären Bürojob. Angenehmer Nebeneffekt: Ich habe jetzt mehr Zeit für meine Hobbys wie zum Beispiel Bücher schreiben. Außerdem möchte ich meinen Blog voranbringen. Langweilig wird mir also nicht werden.

Lady Sas: Vielen Dank für diese Einblicke.

Hier geht es zum Blog von Johanna, hier zu ihrem Twitter-Account.
Das letzte Interview mit Johanna gibt es hier. 
Weitere Interviews findest Du hier.
Mehr über Lady Sas gibt es hier.

Wie sind Deine Erfahrungen mit dem neuen Prostitutionsschutzgesetz? Hinterlasse einen Kommentar.

Montag, 4. Dezember 2017

Sklaventraining, das sich lohnt

Was ist das Schönste für eine Autorin? Das Schönste ist, wenn man positives Feedback bekommt. Meine Bücher Sklaventraining 1 und 2 habe ich geschrieben, um Subs zu helfen, eine private Femdom zu finden. Mir war aufgefallen, dass bei den Anschreiben und Bewerbungen an mich selbst immer wieder die gleichen Denkfehler vorkommen. Also habe ich die beiden Bücher geschrieben. Gestern habe ich von einem Leser eine E-Mail bekommen, die besonders erfreulich ist, weil die Erfolgsquote hier bemerkenswert hoch ist.

Sklaventraining 1 und 2


Denkfehler vermeiden, schlau bewerben

<<Schönen 1. Advent wünsche ich Ihnen Lady Sas,
Habe das 1 Training von Band 1 abgeschlossen, alle Aufgaben erfolgreich erledigt... ich möchte mich nochmals bei Ihnen bedanken Lady Sas... wie es sich gehört kniend mit einem Kuss auf ihre Schuhspitze. Habe auch 4 Doms angeschrieben... dabei nur 1 Absage bekommen. 2 Termine stehen schon Den 3 Termin wahrscheinlich erst kurz vor Heiligabend. Soll ich alle Doms ausprobieren oder was würden Sie mir raten? Zu Ihrem Buch kann ich nur sagen prima u danke.Mit lieben Grüßen>>

Das ist klasse und freut mich sehr! Vier Anschreiben – und schon zwei positive Antworten. Aber Mann muss realistisch bleiben. Der Fall hier ist leider nicht die Regel, sondern eine schöne Ausnahme. Es ist nämlich gar nicht so einfach, als Sub zu überzeugen. Umso schöner, dass es bei diesem Leser so gut geklappt hat. Oder zumindest der erste Schritt gut geklappt hat.

Wie ist es bei Dir gelaufen? Ich freue mich immer über Feedback an madamesaskia@web.de

Hier geht es zu einer Leseprobe des Buchs: Sklaventraining.


Samstag, 2. Dezember 2017

Domina Helen Bates: bizarre Hypnose

Domina Helen Bates
Domina Helen Bates aus Essen zeigt uns heute im Interview, dass der bizarre Bereich weit mehr zu bieten hat als das klassische Spiel zwischen Femdom und Sub. 

Interview mit Domina Hellen Bates


Lady Sas: Liebe Helen, bitte schildere uns zunächst, wie Du mit dem bizarren Bereich in Berührung gekommen bist und Dich zur Domina entwickelt hast.

Domina Helen Bates:
Hallo Saskia, gerne. Ich war in den 80er Jahren in der sogenannten Gothic Szene unterwegs und hatte damals schon einen ausgeprägten Lack und Leder Fetisch. Irgendwann lernte ich in der Disco eine Hammer Frau kennen, und erfuhr, dass sie als Domina arbeitet... da war es um mich geschehen ;) DAS wollte ich unbedingt auch, denn was sie mir alles erzählte, kickte mich total!


Lady Sas: Was reizt Dich an BDSM?
Domina Helen Bates:
Ich liebe Rollenspiele und das Spiel mit Schmerz und Lust. Es reizt mich, mein Gegenüber an seine Grenzen zu bringen... und vielleicht auch ein Stück darüber hinaus. Die glücklichen und entspannten Gesichter nach der Session machen mich glücklich ;)


Lady Sas: Gibt es einen bestimmten Grund, warum Du Dich "Helen Bates" nennst? Oft beschreibt der Name ja eine bestimmte Haltung oder Philosophie.
Domina Helen Bates:
Lach. Helen - Helen Schneider. Die Lady war in den 70/80er Jahren eine Sängerin und trug immer schwarze Leder Sachen. Ich habe sie als junges Mädchen im Fernseher gesehen und schätze, daher rührt mein Leder Fetisch ;-) Da ich gerne Psycho Spiele spiele, schien mir Bates als Nachnahme sehr passend - Helen Bates.


Lady Sas: Dein Tätigkeit geht weit über das hinaus, weil eine klassische Domina ermöglicht. Wie würdest Du Deine Tätigkeit selbst beschreiben?
Domina Helen Bates:
Bei mir wird jeder Mensch, der mir respektvoll begegnet so angenommen, wie er ist. Sollten seine Phantasien nicht mit meinen Vorstellungen konform laufen, höre ich mir seine Wünsche aber gerne an und versuche etwas passendes für ihn in der Szene zu finden. Ich kenne ja viele tolle Dominas. So ist der therapeutische Part auch nicht gerade gering bei einer Begegnung.


Bizarr-erotische Hypnose

Domina Helen Bates

Lady Sas: Mit bizarr-erotischer Hypnose hatte ich noch nichts zu tun. Was ist das? Wie funktioniert es?
Domina Helen Bates:
Mit der Hypnose hast du die Möglichkeit, dein Gegenüber erstmal abzuholen und für die Session mental vorzubereiten. Viele Menschen können immer weniger abschalten und da setzt die Hypnose an. Du lässt dein Gegenüber durch deine Stimme eine Reise durch seinen Körper beginnen und schaffst so einen entspannten Raum. Diesen füllst du dann mit seinen speziellen Fetischen und Phantasien und kannst so die Reize und Sinne dementsprechend verstärken. Im Idealfall tritt ein wundervoller Trance Zustand ein, der den Gast in tiefere Schichten des BDsM und Fetisch führen kann - wenn er es zulässt ;)


Lady Sas: Was ist "hypnotische Bondage"? Welches Prinzip steckt dahinter?
Domina Helen Bates:
Das ist der Klassiker – kennt man ja aus der Show Hypnose ;-) Sehr schön, wenn mein Pendant zum Beispiel auf Fingerschnippen bewegungslos einfriert. Das ist super, wenn man zum Beispiel
kein Studio hat, aber trotzdem Lust hat zu spielen. Es funktioniert auf Worte oder Gesten oder Musik... oder... oder... eben das, was in der Hypnose suggeriert wird.


Lady Sas: Was bedeutet "sexuelle Erregung geankert auf Worte, Geste, Berührung, Geruch oder Geschmack"? Bedeutet das, du verankerst ein bestimmtes Wort im Unterbewusstsein des Gasts und er wird erregt, wenn er das Wort hört?
Domina Helen Bates:
Genau, liebe Saskia. Das macht auch Spaß als Langzeittrigger über die Session hinaus.


Lady Sas: Ich denke, man braucht ein besonderes Vertrauensverhältnis, um sich hypnotisieren zu lassen. Wie schaffst Du dieses Vertrauen? 
Domina Helen Bates:
Ein Aufklärungsgespräch ist vorab natürlich unabdingbar. Man muss seinem Gegenüber die Angst nehmen, denn im Internet kursieren ja viele Gerüchte über Hypnose. Fakt ist, man kann niemanden gegen seinen Willen hypnotisieren. Wenn der Wille zur Hingabe da ist und das Vertrauen aufgebaut ist, stehen der Erfahrung nichts mehr im Wege.

Helen Bates über Schnellhypnose




Domina Helen Bates
Lady Sas: Ich habe mal ein Experiment gesehen, bei dem ein Hypnotiseur jemandem gesagt hat, seine Hand sei an seinem Kopf angewachsen. Und tatsächlich: Er dachte, das sei wirklich so und konnte die Hand nicht mehr vom Kopf nehmen. Sicher würde es zu weit führen, Hypnose in allen Details zu erklären, aber kannst Du aus Deiner Erfahrung heraus grob zusammenfassen, was da eigentlich passiert?
Domina Helen Bates:
Das funktioniert in der Tat :) Diese Induktionen setzt man meist in der Schnellhypnose ein. Da gibt es verschiedenen Möglichkeiten sein Gegenüber schnell in den Hypno-Zustand zu bekommen. Es wird viel geredet und abgelenkt und im richtigen Moment ein Wort wie "schlaf" verwendet. Das Gehirn braucht in der Regel ca. 1 Sekunde, um einen Befehl zu überprüfen. Das umgehen wir in der Blitzhypnose. Ist der innere Kritiker überlistet, ist man drin ;)


Lady Sas: Du siehst Schnittmengen zwischen Tantra und BDSM. Kannst Du dieses Zusammenspiel etwas näher erläutern?
Domina Helen Bates:
Oh ja, die Lingam- und Prostatamassage sind solche Geschenke für eine intensive BDsM Session. Ich bin im Laufe der letzten Jahre immer mehr dazu hingegangen, auch Massage Elemente in längere Sessionen mit einzubauen. Die Fesselmassage ist zum Beispiel eine gelungene Mischung aus Tantramassage, Sinnesentzug und BDsM Elementen. Das kommt bei meinen Klienten sehr gut an, da diese sehr ruhig und entspannt ablaufen. Welche der jeweiligen Elemente dominiert, kann man vorher gemeinsam besprechen, die meisten vertrauen mir aber und sagen "mach mal".


Helen Bates über Hypnose und Tantra


Lady Sas: Woher kommt Dein Interesse für Hypnose und Tantra?
Domina Helen Bates:
Zum ersten Mal in Berührung mit Hypnose im Bereich BDsM bin ich in den 90er Jahren durch Ferry Masters gekommen. Seine Frau hat damals Workshops in dem Bereich gegeben, wo auch ich dran teilgenommen habe. Damals war die Szene aber noch nicht bereit dafür. Als ich meinen Heilpraktiker gemacht habe, kam ich wieder mit dem Thema Hypnose in Berührung – jedoch mit anderen Themen. Letztendlich hat mir die Ausbildung dahingehend aber auch noch neue Aspekte für den bizarren Bereich gebracht. Da ich selbst Tantramassagen an meinem Körper liebe, musste ich die natürlich auch erlernen ;) So etwas Schönes muss man doch weiter geben :-) Ich bin ausgebildete Tantramasseurin seit 2003.


Lady Sas: Du hast viel Erfahrung im bizarren Bereich. Welche Entwicklungen und Veränderungen der letzten Jahre fallen Dir auf?
Domina Helen Bates:
Immer weniger klassische Hanwerksarbeit – immer mehr Elektronik in Richtung Cyber Sex. Mir persönlich ist das alles zu technisch, finde es aber immer spannend, wenn mir Gäste von ihren Erlebnissen erzählen.

Sind Profi-Dominas zu konservativ?


Lady Sas: Wenn ich mir deine Fähigkeiten mit Hypnose und Tantra ansehe, frage ich mich, warum nicht mehr experimentiert wird. Sind Profi-Dominas überwiegend zu konservativ?
Domina Helen Bates:
Ich glaube, da sind bei den meisten Dominas nur andere Interessensgebiete. Wie ich schon sagte, wenn ich mir die ganzen High Tech Geräte heutzutage anschaue :-)


Lady Sas: Was inspiriert Dich und wie kommst Du auf neue Ideen für Sessions?
Domina Helen Bates:
In der Meditation - durch meine geschätzten Gäste.


Lady Sas: Erzähle uns ein bisschen über die private Helen Bates. Was machst Du in Deiner Freizeit?
Domina Helen Bates:
Ich habe 3 Hunde, die mich auf Trab halten, und treibe gerne Sport.


Lady Sas: Wie sehen Deine Pläne für die Zukunft aus?
Domina Helen Bates:
Reisen. Ich möchte wieder vermehrt reisen und mehr Sonne im Jahr zur Verfügung haben ;)



Lady Sas: Danke für Deine Zeit.


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Montag, 27. November 2017

Daemona de Lucca: Tabubruch

Daemona de Lucca
Das Interview mit Daemona de Lucca finde ich besonders gelungen, weil man spürt, dass sie sich wirklich viel Zeit für die Antworten genommen hat und dabei auf einem großen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann. Daemona de Lucca, die das Studio Fine Art of Domination in Karlsruhe führt, hat viel zu sagen. So viel, dass sie sogar ein Buch geschrieben hat. Ihr Autobiographie "Tabubruch" erzählt von ihrem Leben und ihren Erlebnissen als Domina. Warum aus dem Erinnerungsbuch nun ein Abschiedsbuch wird, erfährst Du im Interview.


Lady Sas: Liebe Daemona, Du bist schon mit 18 Jahren auf SM-Partys gegangen. Erinnerst Du Dich noch an Deinen allerersten Kontakt mit SM? Wie war das?
Daemona de Lucca: In der Gothic-Szene ist es das normalste der Welt auf eine SM-Party zu gehen. Gothic und SM haben schon immer, für mich zumindest, zusammengehört. Außer dass die Menschen um einen herum etwas leichter bekleidet waren, konnte ich keinen Unterschied zu anderen Schwarzen Veranstaltungen bemerken. Musik, tanzen und Freunde treffen standen bei mir eher im Fokus. Von daher habe ich das Geschehen in den abgetrennten Spielräumen auch gar nicht so zur Kenntnis genommen und keine prägnante Erinnerung aus dieser Zeit.

Interview mit Daemona de Lucca


Daemona de Lucca
Lady Sas: Verbindest Du eine bestimmte Philosophie mit Deinem Namen "Daemona de Lucca"? Soll der Name etwas Bestimmtes zum Ausdruck bringen?
Daemona de Lucca: Meine Wurzel liegen ja in der Gothic-Szene und da schmückte man sich gerne mit „diabolischen“ Namen. Diejenigen die das mit dem Teufel oder dem Bösen assoziierten, sind auf dem Holzweg. Die Schutzgeister (Gargoyles), die an einigen Kirchen und Kathedralen in allen vier Himmelsrichtungen gemeißelt wurden, symbolisieren dämonische Kreaturen um böse Geister abzuwenden und um zu zeigen „Hier sind wir schon, Verschwindet!“. Das passt im übertragenen Sine auch auf den SM. Die strenge, böse Herrin trägt im Endeffekt auch nur Sorge, dass es ihrem Spielpartner gut geht.


Lady Sas: Du hast eine Autobiographie geschrieben. "Tabubruch – Lebensachterbahn einer Domina". Du siehst so jung aus, ist es nicht ein bisschen früh für einen Rückblick?
Daemona de Lucca: Jung ist relativ, lach. Wie ich zum Erschrecken feststellen musste, bin ich schon vierzig. Dank guter Gene sieht man es mir nicht direkt an. Eine Autobiographie zu schreiben muss nicht unbedingt mit dem Alter verbunden sein. Zumindest dann nicht, wenn einem bewusst wird, dass ein prägender Lebensabschnitt zu Ende geht und hier nichts Neues mehr dazukommen kann.

"Tabubruch" – das Buch von Daemona de Lucca 



Das Buch von Daemona de Lucca
Lady Sas: Was ist der Grund dafür, dass Du das Buch geschrieben hast und wie lange hast Du daran gearbeitet?
Daemona de Lucca: Der ursprüngliche Grund, meine Erinnerungen niederzuschreiben, waren einige Aufforderungen im Freundeskreis, die gerne meine Geschichten hörten oder in Facebook lasen. Geschrieben habe ich ca. zwei Jahre lang. Es hat einiges an Zeit in Anspruch genommen, sich in der richtigen Reihenfolge zu erinnern und mit Menschen zu sprechen, die in den jeweiligen Zeitepochen, mir bei einigen Erinnerungslücken auf die Sprünge halfen. Ich wollte alles so originalgetreu wie möglich wiedergeben. Durch die neue Gesetzesänderung wurde mir immer klarer, dass es für mich keine Zukunft mehr im professionellen SM Bereich geben wird. Ich bin lange mit mir in medias res gegangen. Nach einigen Abwägungen des fürs und widers, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass die Einschneidungen einiger Grundrechte erheblich sind und ich diesen steuerlichen Irrsinn nicht mitfinanzieren möchte. Insofern kann ich weder moralisch noch politisch dahinterstehen und würde mich somit verkaufen.

So wurde aus einem Erinnerungsbuch ein Abschiedsbuch. Gegen Ende habe ich eher für mich geschrieben, um auch für mich selbst zu reflektieren, was ich die letzten 14 Jahre alles erlebt, gemacht und empfunden habe. Die Zeit ist so schnell verflossen.


Lady Sas: Bei einer Achterbahnfahrt geht es in schneller Folge auf und ab. Inwiefern trifft das auf Dein bisheriges Leben zu?
Daemona de Lucca: Jeder sitz ja in seiner persönlichen Achterbahn und die Geschwindigkeit des Hochs und Runters ist sehr individuell. An das Auf gewöhnt man sich sehr schnell, von daher finde ich die Abwärtsrichtung interessanter und sehe diese eher als Herausforderung schwierige Zeiten zu durchstehen.

Die eigenen Prinzipien nie verloren


Daemona de Lucca
Lady Sas: Was war rückblickend Dein größter Erfolg und Deine größte Niederlage?
Daemona de Lucca: Mein größter persönlicher Erfolg ist, dass ich meinen Humor und die eigenen Prinzipien nie verloren habe und mir immer selbst treu geblieben bin. Meine größte Niederlage wird erst noch passieren. Die Frauen, mit denen ich aktuell im Studio zusammenarbeite, muss ich leider, gezwungen durch die neue Gesetzeslage, in eine ungewisse Zukunft schicken. Ich habe lange gegen den Bürokratismus gekämpft, aber im Endeffekt haben die unbiegsamen Paragraphen, die auf keine persönlichen Schicksale rücksichtnehmen, gewonnen.


Lady Sas: Wenn es Dir als Domina doch nicht so viel Spaß gemacht hätte – was wäre Plan B gewesen?
Daemona de Lucca: Dann wäre mir dann etwas anderes Eingefallen. In solchen Fällen vertraue ich immer dem Schicksal und was es für einen bereithält. Jegliche Lebenswendung hat seinen Sinn.


Lady Sas: Wie ist der Titel "Tabubruch" gemeint? Worauf bezieht er sich? Ich nehme an, in Deinen Sessions hältst Du Dich an die Tabus Deiner Gäste.
Daemona de Lucca: Der Titel bezieht sich nicht direkt auf die Tabus der Gäste und ob ich diese einhalte oder nicht. Der Titel ist frei interpretierbar. In einigen Passagen im Buch werden auch Tabubrüche angesprochen und was für psychologischen Auswirkungen ein „Nicht einhalten“ der Tabus bewirken kann. Von der Aktiven, wie von der Passiven Seite hergesehen.
Tabubruch passt aber auch zu den Passagen, in denen um Verdienste gesprochen wird. Über Geld redet man ja bekanntlich nicht. Ich tat es, und nahm vielleicht anderen die Illusionen vom schnellen Geld. Tabubruchs steht aber auch für einige psychische Tiefpunkte die ich erlebte und von missglückten Schönheitsoperationen die ich durchmachte. Eigentlich steht der Titel für viele Themen über die man nicht gerne öffentlich redet.   

Daemona de Lucca über die SM-Übersättigung


Lady Sas: Kann man mit SM überhaupt noch schockieren? Manchmal habe ich den Eindruck, das Thema sei so oft von den Medien beleuchtet worden, dass die Gesellschaft sich langsam satt gesehen hat. Wie ist Dein Eindruck?
Daemona de Lucca: Mit Sicherheit gibt es eine Übersättigung. Früher war SM ein richtiger Trend. Ging jemand nicht auf jede SM-Party am Wochenende wurde derjenige im Büro schon schräg angesehen. Aber wie alle Trends verfliegen diese schnell, aber eine Akzeptanz ist in der Gesellschaft übriggeblieben.
Wenn heutzutage das Thema SM angesprochen wird, lockt man keine Oma mehr in die Schockstarre. Mir kommt es sogar vor, das SM mittlerweile anerkannt wird. Zumindest dann, wenn man offen mit dem Thema umgeht und aufklärt. Der passive Part hat es leider viel schwerer Verständnis zu bekommen als der aktive Part. Das Bild der schlagenden Domina wird in der Gesellschaft immer mit Stärke und Macht verbunden, während der Geschlagene eher bemitleidet wird. Was völliger Quatsch ist. Aber was wäre der Mensch ohne sein Schubladendenken?

Daemona de Lucca

Lady Sas: Ist SM ein großer Abenteuerspielplatz für Erwachsene?
Daemona de Lucca: Auf jeden Fall. Und was für ein großer Abenteuerspielplatz! Je nach Experimentierbereitschaft und Neigung sind die Variationen unendlich. Als SM`ler bieten sich viel tiefere und vielschichtiger Dimensionen an, vor allem auf der Empfindungsebene, als in einer normalen körperlichen Zusammenkunft. Wenn ich das mal so formulieren darf.


Lady Sas: Welche Rolle spielt der Kopf beim SM?
Daemona de Lucca: Im Sadomasochismus ist der Kopf und das dazugehörende Kopfkino entscheidet wie eine Session verläuft. Kann der passive Part nicht abschalten und ist im Geiste blockiert, fühlt sich für ihn jegliche Handlung, die an ihm ausgeübt wird, nur unangenehm schmerzhaft an. Somit ist es zielführend, bei einer Session das rationale Denken weitgehend auszuschalten um auf die reine Gefühlsebene zu gelangen.  

Über ihr SM-Studio "Fine Art of Domination"


Lady Sas: Du führst Dein eigenes Studio, das "Fine Art of Domination" in Karlsruhe. Welche Vor- und Nachteile hat es, ein eigenes Domina-Studio zu haben?
Daemona de Lucca: Ein eigenes Studio zu besitzen erfordert neben dem Verantwortungsbewusstsein auch das geschäftliches Risiko, das jeder Selbständige zu tragen hat. Entgegengestellt dafür, hat man die Vorzüge seine eigenen Regeln aufzustellen und ist nicht an irgendeine Studiohierarchie gebunden. Auch die freie Mitarbeiterauswahl ist ein klarer Vorteil. Ich bin mit der Entscheidung mich selbständig zu machen sehr glücklich und habe es nie bereut.    


Lady Sas: Du veranstaltest jeden ersten Freitag im Monat eine SM und Klinik Party. Warum?
Daemona de Lucca: Die SM-Klinik-Party ist ein kleines Bonus-Geschenk für unsere Gäste. Der Eintritt hält sich im finanziellen Rahmen und die Gäste haben die Gelegenheit neue Frauen aus dem Studio kennenzulernen. Im Gegenzug haben neue Frauen die Chance sich den Gästen bekannt zu machen und können zuzüglich mit einem festen Verdienst rechnen. Frauen die noch keine SM-Techniken beherrschen, bietet sich auf der Party die Gelegenheit erfahrenen Damen beim Spielen zuzuschauen, viele verschiedene Techniken kennenzulernen und diese sich anzueignen.
Daemona de Lucca






Höhere Ansprüche der Gäste


Lady Sas: Wie hat sich die Arbeit im Studio in den letzten Jahren verändert?
Daemona de Lucca: Die Ansprüche der Gäste sind wesentlich höher geworden. Der Gast erwartet neben einer perfekten hochmodernen Studioausstattung auch absolute Flexibilität in der Terminvereinbarung. Außerdem habe ich das Gefühl das es immer mehr Konsumenten gibt, denen die Spielpartnerin und ihre Vorlieben und Tabus egal ist. Der reine Konsument sieht seine Neigung und das Geld, das er ausgibt, als oberste Wichtigkeit an und bewertet seine Spielpartnerin mit Schulnoten. Was für mich ein Ding der absoluten Respektlosigkeit darstellt.    


Lady Sas: Was inspiriert Dich und wie kommst Du auf neue Ideen für Sessions?
Daemona de Lucca: Es gibt die verschiedensten Inspirationsmöglichkeiten. Manchmal sind es die Ideen der Gäste die einen beflügeln können, manchmal die Zusammenarbeit mit einer anderen Domina. Auch einige Szenen aus Filmen können sehr inspirierend sein.


Daemona de Lucca über die Zukunft


Lady Sas: Wie sehen Deine Pläne für die Zukunft aus?
Daemona de Lucca: Zukünftig werde ich mich aus der professionellen SM-Szene zurückziehen, ihr aber nicht den Rücken kehren. Meine Studioräume möchte ich privaten Pärchen zur Miete anbieten und auch private SM-Partys veranstalten. Auch mein Wissen über SM-Techniken möchte ich gewerblichen sowie privaten Damen und Herren in Form eines individuellen Coachings anbieten. Zusätzlich bin ich ausgebildete Hypnotiseurin und möchte diese Technik in Form von Stress-Präventionen, Phantasiereisen und Ressourcen-Training als Coaching anbieten. In Sessions habe ich damit sehr gute Erfahrungen gemacht und bin begeistert welche Ergebnisse mit Hypnose zu erzielen sind. Im nächsten Jahr baue ich meine eigene Praxis auf und werde mit den Schwerpunkten Sexualtherapie, Depression, Ängste und Rückenleiden dort tätig sein.


Lady Sas: Vielen Dank für diese spannenden und interessanten Einblicke.


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